Der Bremssattel – von Kfz-Sachverständiger Florian Focke aus Kassel

Aufgabe des Bremssattels oder auch der Bremszange

Die Fahrerin bzw. der Fahrer betätigt bei einer Verzögerung die Betriebsbremse mit dem Bremspedal. Blitzschnell schießt die Flüssigkeit durch die Leitungen, durch die weiteren Baugruppen (Hauptbremszylinder, Hydroaggregat des ABS, Radbremszylinder) bis zur Vorder- und Hinterachse schließlich in den Bremssattel hinein. Daraufhin wird ein oder mehrere Kolben, der sich im Bremssattel befindet, bewegt. Dieser zwingt die Bremsbeläge dazu, sich mit voller Kraft gegen die Bremsscheibe zu pressen. Solange, bis der Druck auf dem Pedal nachlässt und der Kolben, sowie die Beläge, in die Ausgangsstellung zurückgekehren.

Der Bremssattel ist ein kostenintensives Ersatzteil, ihm sollte besonderes Augenmerk bei Montage, Wartung und Pflege gelten. Es darf ausschließlich nur ausgebildetes Fachpersonal Arbeiten an der Bremsanlage durchführen!

Der Bremssattel ist ein Bauteil der Betriebsbremsanlage mit Scheibenbremse. Er befindet sich auf der Scheibenbremse selbst und hat die Aufgabe die Bremsbeläge in Führung zu halten, die hydraulische Kraft gleichmäßig auf die Bremsbeläge zu übertragen und die Bremsbeläge gegen die Bremsscheibe zu drücken. Dadurch wird hydraulische Kraft in mechanische Kraft umgewandelt. Alternativ gibt es Bauweisen, wo der Bremssattel mechanisch bewegt wird, ändert aber nichts an der Aufgabe des Bremsvorganges. Die Geschwindigkeit des Fahrzeugs wird verzögert. Kraftschlüssig ist der Bremssattel am Achsschenkel befestigt.

Prinzipiell werden konventionelle Bremssättel in folgende Arten unterteilt:

  • Festsattel
  • Kippsattel
  • Schwimmsattel.

Der im Artikel in Rede stehenden Bremssättel gehören der Gruppe der Schwimmsattel.

Prüfen und Überprüfung

Das Prüfen und Überprüfen ist als Verbundarbeit mit einer Sichtprüfung zu beginnen, trotz vieler Sensorik in modernen Fahrzeugen. Bei einem Räderwechsel sollten die Bauteile der Bremsanlage standardmäßig optisch, auf Leichtgängigkeit und Verschleiß überprüft werden. Das kann zweimal im Jahr beim Saisonwechsel der Reifen geschehen. Spätestens jedoch bei der Inspektion und Durchsicht. Der Bremsenprüfstand liefert dafür binnen 5-10min kostengünstig ein Ergebnis, in welchem technischen Zustand die Bremsanlage sich befindet. Das sogenannte „Abbremsen“ des Fahrzeugs ist ebenfalls Bestandteil der Hauptuntersuchung. Hierbei wird das Fahrzeug auf angetriebene Rollen gefahren, erst die Vorderdachse und anschließend die Hinterachse. Das Fahrzeug wird verzögert und die Bremskräfte ermittelt und mittels Prüfprotokoll dokumentiert. Ungleichmäßiges Verzögern der Räder sowie die unterschiedliche Bremsleistung können erste Hinweise auf Defekte der Betriebsbremsanlage und Feststellbremsanlage liefern.

Eine detailliertere Prüfmethode ist das Messen des Bremsdruckes direkt am Bremssattel. Die Montagearbeiten sind mit einem geringfügigen Mehraufwand verbunden und ergeben einen detaillierteren Einblick in den technischen Zustand der Anlage.

Vorsicht bei Allwetter Reifen:

Da ein regelmäßiger Räderwechsel nicht anfällt, kann ein hoher Verschleißgrad erst zu spät entdeckt werden. Oft sind sind dann schon weitere Bauteile (z.B. Bremsbeläge, Bremsscheiben) beschädigt worden, was die Kosten der Reparatur deutlich ansteigen lässt.

Symptome bei einem schadhaften Bremssattel: vereinzelt oder in Kombination

  • Erhöhte Schleif- und Pfeifgeräusche bei langsamer Fahrt (Schrittgeschwindigkeit).
  • Das Fahrzeug „zieht“ in eine Richtung beim Abbremsen.
  • Die Felge wird außergewöhnlich warm bis heiß nach einer längeren Fahrt, man kann die Hand auf die Felge legen und mit den verbleibenen  Rädern am Fahrzeug vergleichen.
  • Das Verschleißbild der Bremsbeläge bzw. der Bremsscheibe sind einseitig und variieren stark bei der optischen Prüfung z.B. bei einem  Räderwechsel.
  • Schwergängigkeit der Baugruppen wie z.B. der Bremskolbens werden erst ersichtlich, wenn an der Bremsanlage gearbeitet wird. Z. B. bei einem wechsel der Bremsbeläge muss der Kolben zurück gestellt werden.

Gründe für eine Schwergängigkeit können sein:

  • fortschreitende Korrosion an den einzelnen innen liegenden Baugruppen
  • erhöhter Verschmutzungsgrad durch Witterungseinflüsse und Bremsstaub
  • vernachlässigte Wartungs- und Inspektionsintervalle (Wechsel der Bremsflüssigkeit).